* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Letztes Feedback






Daily Routine

Ja alles hier in CampHill hat einen festen Ablauf oder eine Routine. In der Woche muessen die behinderten Menschen und die Co-Worker an Workshops teilnehmen. Es gibt den Holz-Workshop, den Toepfer-Workshop, den Garten-Workshop, den Estate-Workshop der sich um das Anwesen kuemmert, Handwerk-Workshop, BaeckereiWorkshop, Textil-Workshop, den Transitional-Workshop der mehr ne Therapie ist als ein Wokshop und die Walkinggroup. 
So muss ich zum Beispiel jeden Montag Nachmittag, Dienstag und Mittwoch in den Woodworkshop. Donnerstag und Freitag Vormittag bin ich im Garten-Workschop und Donnerstag Nachmittag bin ich in der Walkinggroup. 
Ein normaler Tag in der Woche beginnt fuer mich um 6:30, dann hab ich eine ¾ Stunde um mich fertig zu machen und wach zu werden. Also steh ich um 7:00 Uhr auf xD, putze mir die Kauleiste und muss um 7:15 im ClockHouse sein. Da fange ich dann damit an Tee zu kochen, Robin die Zaehne zu putzen, zu rasieren und anzuziehen, so dass wir um 8:00, nach dem morgentlichen Gebet bei Tisch, fruehstuecken koennen. Nachdem dann alle zusammen den Abwasch(ohne Spuelmaschine) gemacht haben, geht es so 5 nach 9 Uhr zum morgendlichen Versammlung der gesamten CampHill- Community. 
Hier wird den behinderten Menschen der Wochentag und das aktuelle Datum mitgeteilt. Danach werden eventuelle Besonderheiten des Tages angesagt, wie zum Beispiel: „Wir haben einen neuen Co-Worker, Sebastian.“ Danach wird eine Kerze angezuendet und das fuer die Woche guetltige Gedicht vorgetragen. Dann „singen“ alle zusammen ein Lied, im Anschluss wird die Kerze ausgepustet.
Nun kehren alle in ihre Haeuser zurueck und ich muss Robin zu seinem jeweiligen Workshop bringen, der um 9 Uhr 30 beginnt und dann schnell zu meinem eigenen gehen. Dort wird dann noch einmal das woechentliche Gedicht vorgetragen und 1,5 Stunden „gearbeitet“, denn um 11 Uhr gibt es schon wieder eine Teepause bis 11 Uhr 30. ^^ Danach wird noch mal eine Stunde bis zum Mittagessen „gearbeitet“, was es dann wieder nach einem Gebet bei Tisch (im Chor gesprochen) gibt. ^^ Ach ich vergaß zu erwaehnen das nach jedem Essen gewartet wird bis jeder fertig ist und wieder im Chor gesprochen wird: „Thank you for the meal“. 
Kleiner Einschub: Robin bekommt immer zuletzt sein Essen, weil er der schnellste beim Essen ist. (Wie eine Maschine!!!) und das Gebet geht so: 

„Earth you gave us this food, 
the sun you made it ripe and good, 
dear sun, dear earth by you we live, 
to you our love and thanks we give. 
– May the meal be blessed.“

Nach dem Mittagessen habe ich eine Stunde frei wie es vielleicht schon einige mitbekommen haben, da bin ich naemlich im Co-Worker-Raum mich mit den anderen unterhalten, Mails checken oder Kickern. ^^ 
Danach muss ich wieder mich und Robin zu unseren Workshops bringen, der wiederum eine Teepause, in der uebrigens immer einer vormittags Broetchen und nachmittags Kekse au der Haus eigenen Baeckerei holen geht. Ihr seht ich werde hier richtig fett, denn um 18 Uhr gibt es schon wieder Abendbrot (mit Gebet, Abwasch usw.). Danach muss ich mit Robin spazieren gehen, was sich zeitlich zwischen einer Stunde und 40 Minuten bewegt. Wir gehen dann immer durch denn (offiziell geschlossenen) Safari-Park oder um den See. Beim Spazierengehen hat Robin wiederum seine Gewohnheiten, so fasst er bestimmt stellen an oder reißt immer von den (armen) selben Pflanzen Blaetter und zerreist diese und ich muss zugeben auch wenn das jetzt hart klingt, aber es ist einwenig so als ob man einen Hund spazieren fuehrt, da er auch immer an den selben Stellen stehen bleibt und pinkelt.
Wenn wir wieder zuhause sind muss ich dafuer sorgen, dass Robin in die Badewanne kommt und sich waescht. 
Zuerst macht er die Kanne ins Wasser, dann die erste Hand nass machen, dann die andere, dann gießt er sich zweimal Wasser mit der Kanne ueber den Kopf, dann haellt er mit geschlossenen Augen die Haende auf damit ich im den Waschlappen gebe. Dann Kopf waschen … und so weiter ich muss ihm sogar zeigen was er sich zu waschen hat. Wenn er artig war, also nicht gesprungen ist, darf er seine Badespielsachen haben. Ja und dann ist es auch schon meistens dreiviertel 9, sodass ich dann zum Co-Worker-Raum gehen kann. Den ich dann natuerlich viel zu spaet zum Duschen gehen verlasse. ^^
29.7.09 22:00


Werbung


ClockHouse

Ja das ist das Haus in dem ich taeglich arbeite. Ja was soll ich sagen … es hat ein Wohnzimmer, eine Kueche, ein Buero, einen Eingangs- und Esszimmer und einige Schlaf raeume fuer die behinderten Menschen. Ich arbeite da mit meiner Chefin Christine die hier „Housemum“ oder „Houseleader“ genannt wird. Der fest angestellten Carolanne und fuer jetzt noch mit Johannes noch ein Co-Worker aus Deutschland, aber gleich vorne weg … wir duerfen im Haus sowie vor den behinderten Menschen nicht Deutsch reden. Aber es ist sehr nett und zeigt mir alles, vor allem beim Umgang mit Robin. Ja Robin ist einer von denen die wir betreuen. Ansonsten sind da noch Harriet und Kevin.
Harriet ist ca. 1,5 groß hat das D.Syndrom aber noch die normalste von allen wuerde ich sagen. Also man kann sich auch normal einigermaßen mit ihr unterhalten, auch wenn die Aussprache manchmal etwas undeutlich ist.
Kevin ist mitunter sehr nervtoetend, da er nicht nur plappert wie Julius, nein er faengt auch einfach an spontan und laut zu lachen. ^^ Des Weiteren will er staendig Waesche waschen gehen, oder ist in seinem Zimmer hoert lautstark herumrenned und „Ooooh my God!!!“ bruellend Classicmusik. Achso, und seine DVD mit der gleichen Musik ist auch immer bei ihm.
Robin ist der Behinderte mit dem ich am meisten zu tun habe und haben werde, er ist ein Autist und hat regelmaeßig Wutausbrueche. Diese sind jetzt aber glauben ich und Johannes weil er merk, dass sich etwas veraendert, naemlich, dass Johannes geht und ich komme und ihn ersetze. Er spricht nicht, stattdessen benutz er Makkaton, welches eine sehr einfache Zeichensprache ist, um das Noetigste auszudruecken. Er ist 26 Jahre alt, aber vom Kopf noch so um die 4. Wie auch Rainman braucht er einen festen Tagesablauf sowie fuer alles eine Routine. Aber dazu kommt spaeter noch was. Seine Wutausbrueche moechte ich auch noch schnell beschreiben.
Wenn er aufgeregt ist faengt er an, auf der Stelle zu springen, egla in welcher Position er sich befindet. Also egal ob er auf seinen 4 Buchstaben, auf den Knien oder den Fueßen landet, er springt. Dafuer hat er den Junpingroom, das ist ein kleiner Raum bzw. der Anfang einer Wendeltreppe, in dem eine Matte liegt, auf die er sich dann setzt. Die Matte soll ihn schuetzen das er sich durch sein Rumgespringe schon das Steißbein gebrochen hat. Wenn er nicht springt, dann nimmt er die Haende vor seinen Oberkoerper, biegt die Finger durch, Klappt die Daumen ein, spannt alles an und faucht/zischt wie eine Katze. Manchmal haut er sich auch zweimal ins Gesicht und schreit. Wenn er das tut, dann wird abgebrochen was er gerade tut, sei es den Essensteller weg zu schieben oder wer weiß was… 
Wenn wir laufen, dann hat er bestimmt Ecken und Stellen die er anfassen muss. So rupft er immer von derselben Tanne ein paar Blaetter und zerreißt sie auf dem Weg. Wenn wir zur Morgenversammlung gehen, dann macht er immer eine Tuer auf guckt hinein und geht weiter, auf dem Rueckweg geht er immer im selben Klo pinkeln. 
Wenn wir spazieren gehen, was wir jeden Tag mindestens 40 Minuten lang machen, ist es als ob man einen Hund Gassi fuehrt, da er nicht nur alles abrupft und daran riecht, nein, er hat auch bestimmt Pinkel Ecken auf jedem Weg.
Aber ist jetzt oefter bei besserer Laune besonders, weil wir jetzt, verreißt sind, nach Kilin (2 Stunden noerdlich).
Zu seinem taeglichen verhalten gehoert, staendig an die Seiten seines Kopfes zu fassen. Danke, Tag, Tschuess, Gute Nacht usw. sagt man indem man seine Daumen auf seine drueckt und ihm eine Kopfnuss(ganz leicht ^^) gibt. Ansonsten kann er eigentlich recht viel, man muss es ihm nur sagen und dabei darauf zeigen. Selbstaendig wird er aber nur, wenn wir vergessen die Kueche abzuschließen, wenn sie unbeaufsichtigt ist, dann naemlich geht er zum Kuehlschrank und greift einmal voll in die Butterpackung.
Wegen solche Sachen haben viele Raeume ein Schloss fuer den StarKey, was wirklich nur ein einfacher sternfoermiger Schluessel ist, mit dem man ueberall reinkomm wo die behinderten Menschen nicht hin sollen.
Da ich bei allem einen kuehlen Kopf bewahren, muss sowie ruhig sprechen, werden mir Timo, Janina, Kalle, Julius :p und Co. nicht mehr viel an haben koennen.^^

Greetz Sebastian

29.7.09 21:59


Anreise

Ja, am 20.07 bin ich ziemlich aufgeregt aufgestanden, um 4 Uhr. (Sorry Mum -- und Danke an alle die mich zum Flughafen gebracht haben )
Selbst nachdem ich einen Obama ins Weiße Haus gebracht habe, wollte mein Magen keine Ruhe geben. Um Viertel vor 5 saßen wir dann mit 2 Koffern im Auto.
Die Koffer wogen dann beim Einchecken erlaubte 28,9 kg, was glaub ich bis dahin meine groeßte Sorge war. 
20 nach 6 war es dann endlich soweit, ich ging das Warte-Labyrinth entlang, durch den Sicherheitsbereich mit den vielen Piepern und zielstrebig weiter zum Gate 13, so wie es auf meiner Boardkarte geschrieben stand. Aber ich hatte mich kaum hingesetzt, da kam auch schon eine Ansage, die meinen Flug betraf. Als ich die Flugnummer hoerte, dachte ich schon an Verspaetungen oder/und schlimmeres. Aber im Endeffekt musste ich nur zum Gate 11, wer weiß warum. Alles weitere ging sehr schnell: Passkontrolle, Shutlle-Bus, Sitzplatz 16 F, Starten, 30 Minuten Schlaf. Letzteres brauchte ich, da ich am Vorabend noch mit Freunden in der Elvisbar mich verabschieden war.
Nun war ich auf dem Flughafen Koeln-Bonn und da ich nichts zutun hatte, vertrieb ich mir die naechsten 3 Stunden mit TrackMania (dem Autorennspiel) und lesen, nachdem der Laptopakku den Geist aufgab. Der zweite Flug zog sich etwas laenger hin als der erste, war aber genauso ruhig. 
Als ich in Edinburgh ankam, wurde ich von einem Werbeplakat begrueßt und ihr duerft jetzt mal kurz raten, wofuer es warb ... nein .... ueberlegt weiter ... nein auch nicht fuer "Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen" ... es war Whisky, an der Stelle muss ich mich entschuldigen, ich hab mir den Namen nicht merken koennen, da darauf 2 weitere Plakate mit aehnlichen Produkten folgten und ich doch eher grad mein Gepaeck im Kopf hatte. Aber selbst das hat meinen Koffer nicht davon abgehalten, zwei extrarunden auf dem Laufband zu drehen, da er auf der Seite, die ich nicht kannte, lag.
Nach einer halben Stunde Busfahrt auf der linken Seite der Straße bin ich dann im Centrum von Edinburgh mit Dudelsackmusik begrueßt worden. 
Danach hatte ich nur noch, den Zug nach Stirling zu nehmen und eine 3/4 Stunde Fahrt hinter mich zu bringen. (... leichter gesagt als getan ... bin fast eingeschlafen im Zug) 
Am Bahnhof in Stirling habe ich, wie verabredet, die mir bekannte Nummer von CampHill-Buero gewaehlt. Wo mir dann die Nummer meiner "Hausmama" gegeben wurde. Als ich mich dann mit meinem Gepaeck durch die Sperrdrehkreuze und in einen Zeitungsladen gequetscht hatte (letzteres um einen Stift und Papier zu bekommen), bemerkte ich das Christin schon am Eingang des Bahnhofes auf mich wartete. 
Nach einer kurzen Autofahrt in einem "VW" waren wir auch schon am Blair Drummond House, wo ich dann gleich herumgefuehrt wurde. Nur leider musste ich aufgrund der ganzen Tueren und Gaengen nach ca. 2 min aufhoeren, mich versuchen zu orientieren und einen Stopp in der Kueche machen, um eine Paracetamol zunehmen. Von nun an ging alles etwas besser, jetzt schaffte ich es meinen Raum zu finden, welcher sich im 1. Stock des Hauptgebaeudes befindet. Und zurueck zum Haus in dem ich arbeite finde ich auch. ^^ Es heißt „ClockHouse“.
29.7.09 21:58


Blubb_No_1

Hi, 

anlässlich meines Auslandsjahres im Schottenland eröffne ich dieses Blog. Also wenn ihr so wissen wollt, was so gerade bei mir aktuell ist, guckt doch einfach mal vorbei. Ich hoffe, die Zeit zu finden, das(<-- have a look Fe) Blog zu pflegen. 

Also wenn ich ehrlich bin, weiß ich schon nach 2 Tagen nicht mehr, wo ich anfangen soll. Ich denke, das Beste ist es, wenn ich einfach am Anfang beginne. 

Also wo bin ich ... hier:


Camphill Blair Drummond
Blair Drummond House
Cuthil Brae
Stirling
FK9 4UT


Wie lange: 


20.07.2009 -- 19.07.2010


Warum: 

Ich mache hier mein Zivildienstersatz, was sich im bürokratischen Dschungel Deutschlands "Anderer Dienst im Ausland" kurz "ADiA" schimpft.

Was: 

Das ganze hier ist ein kleines Schloss, was von der Sekte CampHill besetz ist. 



Nein, also das Schloss ist das Blair Drummond House, was aus einem wunderschönen Hauptgebäude und jeder Menge kleiner Häuser, einem wundervollen Garten und einer kuhbestückten Wiese besteht. 
CampHill ist eine Organisation, die sich um geistig behinderte Menschen kümmert. Dabei nehmen sie sogenannte Co-Worker (also Mitarbeiter) aus der ganzen Welt auf.
Ich sagte deshalb Sekte, weil hier alles unter dem Einfluss der Anthroposophie steht. Aber dazu schreibe ich noch was, wenn ich euch meinen Tagesablauf schildere.
Als Co-Worker bin ich dazu da, um die behinderten Menschen zu unterstützen und quasi hierarchisch mit ihnen auf einer Ebene zu arbeiten.

23.7.09 02:02





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung